Am Anfang ging erst einmal alles schief
Ich habe zunächst versucht, ganz normal zur Berufsschule zu gehen. Das hat nicht funktioniert und mir viele Fehlzeiten eingebracht. Fast ein Jahr lang wusste ich nicht, wie ich die Sache in den Griff bekommen soll.
Heute würde ich viel früher zum Arzt gehen. Wenn man wirklich nicht schul- oder arbeitsfähig ist, sollte das dokumentiert sein. Ein Hausarzt kann außerdem dabei helfen, die nächsten medizinischen Schritte zu klären und gegebenenfalls an eine Fachperson weiterzuleiten.
Viele Telefonate und fast immer dieselbe Antwort
Ich habe bei verschiedenen Berufsschulen, der Landwirtschaftskammer, Schulämtern, Ministerien und noch einigen weiteren Stellen angerufen. Wie viele Gespräche es am Ende waren, weiß ich nicht mehr. Es waren auf jeden Fall sehr viele.
„Das geht nicht.“
„Wir sind nicht zuständig.“
„Dabei können wir Ihnen nicht helfen.“
Oft war nicht das Problem, dass es wirklich keine Möglichkeit gab. Viele wussten einfach nicht, wie so ein Fall behandelt werden kann oder wer darüber entscheidet.
Der entscheidende Kontakt kam eher zufällig
Irgendwann sprach ich mit einer Vertretung für die Sekretärin einer Berufsschule. Diese Dame erinnerte sich an eine ehemalige Kollegin, die inzwischen Vertrauenslehrerin an einer anderen Berufsschule war. Diese Schule bot ebenfalls Garten- und Landschaftsbau an.
Im Sekretariat dieser Schule hatte ich vorher schon angerufen. Dort konnte man mir zunächst nicht helfen. Rückblickend lag das wohl eher an fehlender Erfahrung als an echter Ablehnung.
Die Vertrauenslehrerin wusste, mit wem sie reden musste. Sie führte Gespräche mit der Schule und den beteiligten Lehrern. Danach wurde ich eingeladen und wir haben gemeinsam besprochen, wie es weitergehen könnte.
Was ich von der Schule bekam
Ich bekam einen groben Überblick über die Inhalte, einen Lehrplan und gelegentlich Aufgaben. Das war keine vollständige Fernbeschulung. Den größten Teil musste ich weiterhin selbst organisieren.
Genau deshalb halte ich Vertrauenslehrer, Beratungslehrer und ähnliche Personen für so wichtig. Sie kennen interne Wege und können Gespräche anstoßen, die über ein normales Telefonat im Sekretariat oft nicht zustande kommen.
So habe ich gelernt
Ich hatte mir schon vorher Schulbücher, Arbeitshefte und Übungsmaterial besorgt. Als ich später den Lehrplan bekam, konnte ich die Themen besser einordnen und sehen, was überhaupt drankommen sollte.
Ich habe wahrscheinlich mehr gelernt, als für Schule und Prüfung nötig gewesen wäre. Bereut habe ich das nicht. Durch das breitere Wissen konnte ich Zusammenhänge deutlich besser verstehen.
Mir half es, an einem Tag möglichst nur ein Thema oder ein Fach zu bearbeiten. Wenn ein Thema größer war, blieb ich mehrere Tage dabei. Am nächsten Tag wiederholte ich zuerst den Stoff vom Vortag. Am Ende der Woche ging ich alles noch einmal durch.
Ich fasste vieles in eigenen Worten zusammen. Manche Stellen schrieb ich einfach ab, wenn sie im Buch bereits genau so erklärt waren, wie ich sie verstanden habe. Danach markierte ich wichtige Stellen farbig und baute mir eigene Übersichten.
Wenn etwas nicht im Kopf bleiben wollte
Dann habe ich Eselsbrücken gebaut. Bei Pflanzennamen war das besonders hilfreich. Manchmal blieb aber nur stumpfe Wiederholung.
Einen schwierigen Begriff auf einen Zettel schreiben und ihn notfalls fünfzigmal lesen. Lange Wörter auseinandernehmen. Einzelne Teile laut vorsagen. Das klingt simpel, kann aber funktionieren.
KI war ein Werkzeug, nicht meine Quelle
Ich habe KI genutzt, um große Themen in kleinere Lernpakete aufzuteilen oder einen Jahresplan zu erstellen. Sie macht aber Fehler, teilweise sehr überzeugende. Deshalb habe ich alles mit Büchern, Lehrplan und meinen Unterlagen abgeglichen.
Später habe ich aus meinen eigenen geprüften Texten Hörmaterial mit Text-to-Speech erstellt. Das hörte ich unterwegs oder abends. Lesen, Schreiben, Hören und Wiederholen zusammen funktionierten für mich besser als nur eine Methode.
Lehrgänge und Prüfungen blieben bestehen
Die vorgeschriebenen Lehrgänge musste ich besuchen. Klassenarbeiten schrieb ich unter Aufsicht in meinem Betrieb. Die Abschlussprüfung war am Ende dieselbe wie für alle anderen.
Mein Gesellenbrief war deshalb kein Geschenk. Er war das Ergebnis von viel Eigeninitiative und sehr viel Lernzeit.
Was unbedingt vorher geklärt werden muss
Der Weg muss mit Berufsschule, Ausbildungsbetrieb und zuständiger Kammer abgestimmt werden. Einfach selbst zu entscheiden, nicht mehr zur Schule zu gehen, reicht nicht.
Mein Alter und die fehlende Berufsschulpflicht haben mir geholfen. In anderen Fällen können andere Ausnahmen oder Sonderwege eine Rolle spielen. Nicht jede Stelle kennt diese sofort. Darum lohnt es sich, gezielt nachzufragen und Vertrauenslehrer oder Beratungslehrer einzubeziehen.